Aktuelle Schädlingsprognose, Wachstumsregler-Einsatz und Phoma (KW 39)

Blattfraß Rapserdfloh
Viele Flächen haben weiterhin keinen kritischen Blattfraß mit mehr als 10 % zerstörter Blattfläche. Früh gesäte, wüchsige Rapsbestände sind dem kritischen Stadium mittlerweile häufig entwachsen. Im traditionellen Erdfloh-Hotspot Schleswig-Holstein/Nordwest-Mecklenburg hat der Lochfraß jedoch zugenommen, ebenso regional in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Punktuell treten auch in Hessen, im Südwesten Deutschlands und vereinzelt in anderen Regionen mit höherem Rapsanteil kritische Fälle auf. Spät gesäter und geschwächter Raps mit weniger als vier Laubblättern ist weiterhin durch Blattfraß gefährdet. Besonders sorgfältig in Richtung angrenzender Altrapsflächen kontrollieren. Dünne, gestresste Bestände werden häufig besonders stark befressen; in klutigem Saatbett finden die Käfer zudem gute Versteckmöglichkeiten. Eine Insektizidmaßnahme ist nur angezeigt, wenn bei noch kleinem Raps mehr als 10 % der Blattfläche zerstört sind und es um den Erhalt des Bestandes geht. Dabei beachten: Fraßlöcher wachsen mit dem Blatt mit.  

 

 
Gelbschalen Rapserdfloh

Gelbschalen kontrollieren: Wie erwartet wurden seit letzter Woche zunehmend Erdflöhe in den Gelbschalen gezählt. In manchen Schalen sind es mittlerweile hundert Käfer oder mehr. Nur wenig entfernt wurden dagegen unter zehn oder gar keine Käfer gefangen. Regional und von Schlag zu Schlag sind die Unterschiede enorm.

Im Südwesten Deutschlands bleiben die Zuflugbedingungen in dieser Woche verbreitet günstig. In den anderen Regionen verbessern sich zum Wochenende bei Altweibersommerwetter die Bedingungen für weitere Zuwanderung wieder.

 

Kein kritischer Blattfraß, aber viele Erdflöhe in der Gelbschale: Was jetzt tun?

Wenn möglich, nichts tun:

  • In Regionen mit Schwarzem Kohltriebrüssler: Mit einer Insektizidmaßnahme möglichst auf dessen Hauptzuflug warten – auch wenn jetzt bereits viele Rapserdflöhe in den Gelbschalen sind. Anders als beim Erdfloh können die Larven des Schwarzen Kohltriebrüsslers später nicht mehr bekämpft werden. Deshalb sollte die Behandlung möglichst gezielt auf seinen Zuflug ausgerichtet werden.
  • Bislang nur wenige Erdflöhe in den Gelbschalen: Weiter abwarten und beobachten, wie sich Zuflug und Wetter entwickeln.
  • Schon vor Mitte September viele Rapserdflöhe in den Gelbschalen: Dann bringt eine Behandlung jetzt nur noch eine Teilwirkung auf den späteren Larvenbefall, weil die frühen Käfer bereits mit der Eiablage begonnen haben können.

 

Erstmals seit letzter Woche sehr viele Käfer in der Gelbschale: Jetzt muss abgewogen werden. Es kann versucht werden, diese Käfer noch vor stärkerer Eiablage zu erfassen – grob innerhalb einer Woche in wärmeren Lagen bzw. innerhalb von etwa zehn Tagen in kühleren Regionen. Das Problem: Der Zuflug ist noch nicht beendet. Bei vorhergesagtem wärmerem Wetter können weitere Käfer zuwandern, die von der kurzen Dauerwirkung der Behandlung nicht mehr erfasst werden. Die Idee, die Käfer vor der Eiablage zu treffen, ist deshalb schwer gezielt umzusetzen. Ohne eigene Gelbschale auf dem Schlag ist das fast unmöglich.

 

So oder so: Im Spätherbst die Blattstiele auf Larvenbefall kontrollieren.

 

Schwarzer Kohltriebrüssler ist der Taktgeber

Der Schwarze Kohltriebrüssler (rote Füße, schwarz glänzend) muss innerhalb von 3-5 Tagen nach seinem Hauptzuflug (8-10 Käfer/Gelbschale) mit einem Pyrethroid behandelt werden. Wie der Termin gleichzeitig für den Rapserdfloh genutzt werden kann, hängt deshalb davon ab, wann der Schwarze Kohltriebrüssler zufliegt. Fällt dieser Termin mit dem Erdfloh-Larvenschlupf zusammen, kann die Maßnahme auf beide Schädlinge ausgerichtet werden. Fliegt der Schwarze Kohltriebrüssler deutlich früher zu, steht zunächst die Rüsslerbekämpfung mit einem Pyrethroid im Vordergrund. Anschließend müssen die Bestände weiter auf Erdflohlarven kontrolliert werden, um zu entscheiden, ob später noch eine gezielte Behandlung notwendig ist.

 

Wann ist mit Erdflohlarven zu rechnen?

Notieren Sie sich, wann Sie starken Zuflug in den Gelbschalen beobachtet haben. Die Zeit bis zum ansteigenden Larvenschlupf hängt nicht vom Kalenderdatum ab, sondern vom Zeitpunkt des Hauptzuflugs und den Temperaturen in den folgenden Wochen:

 

  • Hauptzuflug in der ersten Septemberhälfte: Beginn Larvenschlupf etwa nach 4 Wochen, ansteigender Schlupf etwa nach 6 Wochen.
  • Hauptzuflug in der zweiten Septemberhälfte: Beginn Larvenschlupf etwa nach 5 Wochen, ansteigender Schlupf etwa nach 8 Wochen.

 

Je nach Temperatur können sich diese Zeiträume um etwa zwei Wochen nach vorne oder nach hinten verschieben. Entscheidend ist die Kontrolle der Blattstiele auf dem eigenen Schlag. Kritisch wird es ab etwa 3 Larven/Pflanze in geschwächtem bzw. 5 Larven/Pflanze in wüchsigem Raps. Zu Beginn lässt sich der Larvenbefall noch gut über die Symptome am Blattstiel einschätzen: Verbräunungen, Aufplatzungen oder kleine „Hubbel“ weisen auf die Larven darin hin.

 

Wachstumsregler und Phoma

Falls noch nicht geschehen, gleichmäßig aufgelaufenen und insgesamt zügig gewachsenen Raps mit 4 oder mehr Blättern einkürzen. Bestände, die jetzt erst 4 oder weniger Blätter haben, neigen zunehmend weniger zum Überwachsen. Auf den Schlägen, auf denen kleine, nachaufgelaufene Rapspflanzen die Lücken schließen sollen, sollten diese noch nicht mit einem Wachstumsregler gebremst werden. Auch warten, wenn der Raps nicht wachsen will (z.B. Trockenheit, Herbizidstress). Deutschlandweit gesehen wird Phoma in diesem Herbst voraussichtlich nur eine geringe Rolle spielen. Zum einen war der Befall im vergangenen Anbaujahr vielerorts gering. Nach der Ernte war es dem Pilz verbreitet viel zu trocken. Wo es etwas mehr geregnet hat – auch in den vergangenen Tagen – sollte auf Phoma-Blattflecken geachtet werden. Das betrifft insbesondere Schleswig-Holstein und Standorte im Norden Niedersachsens.

 

Text: Julia-Sophie von Richthofen & Thomas Volk, proPlant GmbH, Münster