Wenn es nicht mehr um Blattfraß geht: Nicht jeder Zuflugwelle hinterherspritzen
Bislang nur wenige Erdflöhe in den Gelbschalen: Weiter abwarten. Eine Behandlungsentscheidung sollte später anhand des Larvenbefalls in den Blattstielen getroffen werden. Für ansteigenden Larvenschlupf ist es aktuell noch viel zu früh.
Starker Hauptzuflug erst ab Mitte September: Diese Käfer können jetzt noch an verstärkter Eiablage gehindert werden. Bei der ungewöhnlichen Spätsommerwärme bis Mitte dieser Woche ist die Dauerwirkung der Pyrethroide allerdings sehr kurz – etwa 1 bis 3 Tage. Auch Pyrethroidbehandlungen aus der vergangenen Woche haben deshalb Neuzuflug der letzten Tage nicht mehr erfasst.
Bis Mitte dieser Woche ist deutschlandweit weiterer Neuzuflug möglich. Danach kühlt es sich in der Westhälfte Deutschlands ab, und die Bedingungen für weiteren Erdflohzuflug verschlechtern sich. Wo es warm bleibt, kann der Zuflug weitergehen.
Sonderfall Resistenzgebiete: Wo Pyrethroide bereits deutlich an Wirkung verloren haben, ermöglichen die Notfallzulassungen in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg bei starkem Befall auch den Einsatz von Minecto Gold/Exirel gegen die Käfer. Die zweite mögliche Anwendung sollte für die gezielte Behandlung der Larven zum späteren ansteigenden Larvenschlupf aufgespart werden.
Starker Hauptzuflug bereits bis etwa Mitte September: Für eine zuverlässige Reduktion des späteren Larvenbefalls kommt eine Käferbehandlung jetzt zu spät. Diese Erdflöhe legen bereits Eier ab; während der spätsommerlich warmen Witterung kann die Eiablage intensiv weitergehen. Eine Behandlung erfasst zwar noch adulte Käfer und verhindert weitere Eiablage, die bereits abgelegten Eier und später daraus schlüpfenden Larven aber nicht.
In diesem Herbst wandert der Rapserdfloh in ausgeprägten Wellen zu – z.B. um den 10. September und nach einer kühleren Phase mit kalten Nächten erneut etwa 10 bis 14 Tage später. Entsprechend ist auch mit einem verzettelten Larvenschlupf zu rechnen. Alle Zuflugwellen mit Behandlungen erfassen zu wollen, ist weder zuverlässig möglich noch sinnvoll und erhöht den Selektionsdruck auf resistente Populationen.
Deshalb gilt unabhängig von einer bisherigen Käferbehandlung: Im Spätherbst die Blattstiele auf Larvenbefall kontrollieren. Die Temperaturen im Oktober und darüber hinaus entscheiden, wie intensiv die Eiablage weitergeht und wie schnell sich die Larven entwickeln.
Viele Erdflöhe direkt nach der Behandlung?
Bei stärkerem Erdflohbefall kann der Blick in die Gelbschale unmittelbar nach einer Pyrethroidbehandlung überraschen: Plötzlich werden dort sehr viele Erdflöhe gefunden. Das bedeutet nicht, dass sich der Befall schlagartig verschärft hat. Diese Fänge nicht als neuen Zuflug interpretieren. Die Gelbschalen einige Tage nach der Behandlung leeren und anschließend wieder die neu zufliegenden Käfer aufsummieren.
Wann beginnt der Larvenschlupf?
Bei starkem Erdflohbefall jetzt den Zeitpunkt des Hauptzuflugs im Blick behalten:
Bei starkem Befall kann mit Beginn des Larvenschlupfs eine Behandlung der ersten kleinen Larven mit Carnadine + Pyrethroid sinnvoll werden.
Minecto Gold/Exirel dagegen zum ansteigenden Larvenschlupf aufsparen. Dafür ist es aktuell noch zu früh. Ob diese spätere Behandlung notwendig wird, muss anhand des Larvenbesatzes in den Blattstielen entschieden werden.
Der Schwarze Kohltriebrüssler bestimmt den Termin!
Dort, wo der Schwarze Kohltriebrüssler vorkommt, ist die Strategie anders. Dieser Rüssler muss nach seinem deutlichen Zuflug (etwa 5-10 Käfer/Gelbschale) innerhalb von 3-5 Tagen behandelt werden, um ihn an der Eiablage zu hindern. Deshalb jetzt die Gelbschalen verstärkt auch auf diesen Schädling kontrollieren. Typischerweise wird sein Zuflug wahrscheinlicher, wenn die Temperaturen von sommerlich warm deutlich zurückgehen – wie in der zweiten Wochenhälfte für die Mitte und den Westen Deutschlands vorhergesagt.
Sollte der Schwarze Kohltriebrüssler Ende dieser oder in der kommenden Woche stärker zufliegen, entscheidet der bisherige Erdfloh-Zuflug darüber, wie der Termin genutzt werden kann:
Später im Herbst trotzdem noch auf Erdflohlarven kontrollieren. Ob noch Minecto Gold oder Exirel zum ansteigenden Larvenschlupf notwendig werden, entscheidet dann der Larvenbesatz in den Blattstielen.
Wachstumsregler und Phoma
Die hohen Temperaturen fördern das Wachstum des Rapses – sofern ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Bei angespannter Wasserversorgung geplante Wachstumsreglermaßnahmen auch in dicht stehenden Beständen mit mehr als vier Laubblättern besser schieben. Flächiger Niederschlag ist vorerst nicht in Sicht. Bestände mit erst vier oder weniger Laubblättern neigen jetzt zunehmend weniger zum Überwachsen.
Nach einem überwiegend trockenen August und September ist deutschlandweit gesehen nicht mit kritischem Phomabefall zu rechnen. Wo es im September mehr geregnet hat – insbesondere in Schleswig-Holstein und im Norden Niedersachsens – bei Feldkontrollen dennoch auf Phoma-Blattflecken achten. Aktuell wird noch kein auffälliger Blattbefall beobachtet. Die für diese Regionen in dieser Woche vorhergesagten Niederschläge lassen das Phoma-Risiko ansteigen, so dass die Bestände weiter kontrolliert werden sollten.
Text: Julia-Sophie von Richthofen & Thomas Volk, proPlant GmbH, Münster